
Samstag, 18. Juli 2009
¡CUBANISMO!
BIX Jazzclub
Die 14-köpfige Band um Jesús Alemañy zählt seit Jahren zu den größten Exportschlagern aus Kuba. Der 1962 in Havanna geborene Trompeter wurde in seiner Heimat bereits als Wunderkind gefeiert, als er sich im Alter von 16 Jahren der Formation Sierra Maestra anschloss. Mit ihrer Gründung im Jahr 1976 hatte sich diese Band der Wiederbelebung der traditionsreichen kubanischen Son-Musik verschrieben und den Boden für den späteren Erfolg von Acts wie dem Buena Vista Social Club und der Afro-Cuban All Stars bereitet. Für über eine Dekade war Alemañy Mitglied von Sierra Maestra, mit denen er elf Alben aufnahm und auf Welttournee gegangen ist. 1992 übersiedelte er nach London, um seinen eigenen musikalischen Weg einzuschlagen. Als er 1994 eine ’descarga’ – das traditionelle kubanische Pendant einer Jamsession – zu Ehren der Conga-Legende Patato Valdez zusammen mit Alfredo Rodríguez, dem großen kubanischen Pianisten, in Paris organisierte, war Joe Boyd, der legendäre Produzent (unter anderem für Fairport Convention, die Incredible String Band, Richard Thompson und Nick Drake) und Inhaber von Hannibal Records, so beeindruckt, dass er beiden vorschlug, eine weitere Jamsession dieser Art in Kuba auszurichten, um diese aufzuzeichnen. 1995 versammelten Alemañy und Rodríguez im EGREM Studio in Havanna eine All-Star-Band um sich, mit der sie klassisches kubanisches Song-Material mit besonderer Betonung der feurigen Solos und Percussions einspielten. Das Ergebnis dieser Session wurde 1996 als erstes ¡Cubanismo!-Album auf Hannibal/Rykodisc veröffentlicht und erreichte in den USA die Top-Ten der Billboard-, Latin-Beat- and Afropop-Worldwide-Charts. Auch der 1997 erschienene Nachfolger „Malembe“, noch jazziger und druckvoller als das Debüt, stieß auf große Resonanz und festigte, zusammen mit einer ausgedehnten US-Tour, die Ausnahmestellung von ¡Cubanismo! als kubanisches Ensemble. Mit der Veröffentlichung von „Reencarnacion“ und einer Welttournee erreichten sie 1998 das Zentrum der Latin-Dance-Galaxie: Das Album hinterließ mit leichten Korrekturen am Bandsound, einer leichten Verschiebung vom Bigband- zu einem etwas gradlinigeren Vocalstil, durchgehend einen bestechenden Eindruck. Nach einer zweijährigen Pause erschien im Jahr 2000 das Album „Mardi Gras Mambo“, das – erneut von Joe Boyd produziert, der die Band diesmal in New Orleans aufnehmen ließ – den Verbindungslinien zwischen Kuba und der Südstaaten-Jazz-Metropole nachspürte. Mit diesem Programm war ¡Cubanismo! erneut auf Bühnen in aller Welt zu erleben. Die Compilation „The Very Best of ¡Cubanismo!: ¡Mucho Gusto!” fasste 2001 die bisherigen Hits der Formation zusammen und markierte das Ende der Zusammenarbeit mit Joe Boyd. Nachdem sich die Bedingungen für kubanische Musiker in den Vereinigten Staaten unter dem Eindruck der repressiven US-Politik seit 2003 verschlechtert hatten, waren ¡Cubanismo! verstärkt abseits amerikanischer Bühnen zu sehen. Nach einem Auftritt beim australischen ’East Coast Blues & Roots Music Festival’ verpflichtete der dortige Festivalleiter Peter Noble die Band 2005 aus dem Stand heraus für sein Label Aim Records. Mit dem 2007 erschienenen Album „Greetings from Havana“ waren ¡Cubanismo! nicht nur erneut sehr erfolgreich, sondern 2008 auch für einen Grammy in der Kategorie ’Best Tropical Latin Album’ nominiert. Mit dem Konzert von ¡Cubanismo! bei den BW-Bank jazzopen 2009 gastiert eine der besten Dancefloor-Jazz-Formationen kubanischer Prägung erstmals in Stuttgart.
Besetzung:
Jesus Alemañy (trumpet/director)
Jose de Jesús Hernandez (vocals)
Eduardo Rodriquez (trumpet)
Eduardo Lavoy (bongos/percussion)
Karel Paez (timbales)
Carlos Pimienta (vocals)
Irvin Ferreyro (piano)
Cecilio Valido (baritone sax & flute)
Tyrso Duarte (keyboards & vocals)
Yoel Cuesta (congas)
Jorge Gonzalez (bass)
David Suarez (alto sax & flute)
Rolando Martinez (vocals)
Heikel Fabian (trombone)