Freitag, 24. Juli 2009
Die lange Jazznight - Hommage an Erwin Lehn
MCCOY TYNER TRIO & Special Guest:
BILL FRISELL & GARY BARTZ
Messe Stuttgart (Flughafen), Halle H1
„McCoy Tyner repräsentiert das Coltrane-Erbe heute gültiger als jeder andere, ja, er ist dieses Erbe: still und dienend, voller Ernst und Religiosität“, - so Joachim Ernst Berendt in seinem „Jazzbuch“. Wer die Geschichte des Pianos im Jazz studieren will, kommt um McCoy Tyner nicht herum. In der fruchtbarsten Phase des Quartetts ist er sechs Jahre lang ein so enger Weggefährte von John Coltrane gewesen, dass er weitere sechs Jahre benötigte, um dieses Erbe zu verarbeiten und sublimiert zu einem eigenen Stil der Jazz-Welt zu präsentieren. Neben Cecil Taylor ist McCoy Tyner der wohl wichtigste Vertreter der großen Errungenschaften des Jazz der 60er Jahre: das modale Spiel kann als eine Erfindung dieser Epoche gewertet werden, über deren Patent sich rechtmäßig heutzutage wohl nur noch diese beiden Giganten unterhalten dürften. Wo Taylors Cluster aber vor physischer Kraft zu zerbersten scheinen, sind es die gleichermaßen intensiven, aber fließenden Übergänge in McCoy Tyners Spiel, die bis heute faszinieren. Mit Recht wird immer wieder festgestellt, dass diese Musik die Fortsetzung des Projekts ist, das Béla Bártok mit seinem Werk anvisiert hat: eine Fortsetzung mit anderen Mitteln und Bedingungen freilich – das Ausloten der symphonischen Möglichkeiten von 88 Tasten in einer Jazz-Tradition. In seinem Essay-Band „Ein Fenster aus Jazz" zitiert Joachim Ernst Berendt den US-Kritiker und Coltrane-Biograph Bill Cole so: „Tyner attackiert das Piano und fordert seine Kraft und Gewalt heraus. Er hat die Kunst des Block-Akkords perfektioniert, aber erst durch das, was er darüber spielt, wird er so ungeheuer dynamisch. Die Spannung seiner Musik entsteht durch die Beziehungen zwischen den Linien der rechten und den Akkorden der linken Hand. Er spielt Klavier wie ein brüllender Löwe." Der zweifache ’Grammy’-Gewinner wird bei den BW-Bank jazzopen 2009 mit Gerald Cannon am Bass und Eric Kamau Gravatt am Schlagzeug einen Special Guest begrüßen, mit dem er auf seinem aktuellsten Album „Guitars“ zusammengearbeitet hat, an dem auch Derek Trucks, Béla Fleck, John Scofield und Marc Ribot beteiligt waren.
Besetzung:
McCoy Tyner (piano)
Gerald Cannon (bass)
Eric Kamau Gravatt (drums)
Special-Guest: Bill Frisell (guitar)
Mit Bill Frisell stößt einer der innovativsten Gitarristen unserer Zeit zum McCoy Tyner Trio. Als Absolvent der Berklee School of Music in Boston war er „Klassenkamerad" von Pat Metheny und lernte unter anderem bei Jim Hall. In Europa machte er die Bekanntschaft des Jazzproduzenten Manfred Eicher. In der Folge entstanden zahlreiche Aufnahmen mit Künstlern von Eichers Label ECM, beispielsweise mit. Jan Garbarek und Paul Motian. In den 80er Jahren hielt sich Frisell in New York auf, wo er im Umkreis von John Zorn an etlichen Projekten beteiligt war, unter anderem auch in John Zorns Band Naked City. Zu dieser Zeit war er auch Leader eines eigenen Trios mit Kermit Driscoll (Bass) und Joey Baron (Schlagzeug). Mitte der 90er Jahre löste Frisell sein Trio auf und zog nach Seattle, Washington. Er begann Bluegrass- und Country-Elemente in seine Musik zu integrieren, seit der Jahrtausendwende bereichert er seine Kompositionen um Einflüsse aus der brasilianischen Musik und Elemente des Funk’. 2005 wurde Frisell für sein Album „Unspeakable" mit dem ’Grammy’ für das Jazzalbum des Jahres ausgezeichnet.