
Mittwoch, 22. Juli 2009
BRIAN AUGER'S OBLIVION EXPRESS
Messe Stuttgart (Flughafen), Halle 1
Die Liste der Musiker, mit denen der britische Jazz- und Rockorganist bereits gearbeitet hat, ist seitenfüllend und umfasst Rock-Größen wie Jimi Hendrix, Cream, Van Morrison, Paul McCartney, Carlos Santana, Little Richard und Jerry Lee Lewis, aber auch Jazz-Titanen wie Herbie Hancock oder Tony Williams: Brian Auger ist mustergültig für das, was im Englischen ein „musician’s musician“ genannt wird. Sein dynamisches, flackerndes Hammond- und Fender-Rhodes-Spiel war für den Fusion-Sound der späten 60er und frühen 70er Jahre in seiner Kombination von Jazz- und Rockelementen stilbildend, den er durch Kollaborationen mit Passport, John McLaughlin, Les McCann und Roy Ayers mitbegründet und -geprägt hat. Sein unverwechselbarer Personalstil ist stark von R&B-Einflüssen gekennzeichnet, Organisten wie Jimmy Smith und Jack McDuff haben hörbaren Eindruck hinterlassen. Seine erste Band gründete der vom Jazz kommende Brian Auger 1962: The Brian Auger Trio bestand neben ihm aus dem Bassisten Rick Laird und dem Schlagzeuger Phil Kinorra. 1964 erweiterte er das Trio um den Gitarristen John McLaughlin und den Saxophonisten Glen Hughes zu einer ersten Ausgabe der Brian Auger Trinity und wechselte vom Klavier zur Orgel. Bereits in dieser Zeit ein gefragter Studiomusiker, ist er auch zugegen, als die Yardbirds mit „For Your Love“ die Single aufnahmen, die ihren Durchbruch bedeuten sollte: auf „For Your Love“ ist Auger am Harpsichord zu hören. 1965 gründete er zusammen mit Rod Stewart, Julie Driscoll und John Baldry die Band Steampacket, die allerdings bereits 1966 auseinanderbrach, noch bevor es zu einer Veröffentlichung gekommen wäre. Ein beim Reading Jazz and Blues Festival entstandener Film dokumentiert noch heute die große Energie der kurzlebigen Formation. Unmittelbar nach dem Ausstieg von Stewart und Baldry rief er zusammen mit Julie Driscoll, Dave Ambrose (Bass), Clive Thacker (Schlagzeug) und Gary Boyle (Gitarre) die Band Trinity ins Leben. Ihr Sound war als Kombination aus Blues, Mototown und Art Blakeys Jazz Messengers angelegt. Bereits mit ihrem ersten Album („Open“, 1967) erregten sie gehörig Aufmerksamkeit und erhielten im Jahr darauf eine Einladung nach Montreux – die Brian Auger Trinity war als erste Jazz-Rock-Formation Headliner des seinerzeit noch sehr puristisch orientierten Festivals. In dieser Besetzung hatte die Band mehrere Single-Hits wie „Road To Kairo“ und „Season Of The Witch“ – mit der Coverversion von Bob Dylans „This Wheel's on Fire“ eroberten Trinity 1967 die Spitze der UK-Charts und erlangten Hit-Status in vielen europäischen Ländern – und veröffentlichte drei Alben, darunter das viel beachtete Doppelalbum „Streetnoise“ (1969). Nachdem Julie Driscoll die Band 1969 verlassen hatte, gründete Auger 1970 seine bis heute aktive Jazz-Rock-Formation Oblivion Express, mit der er 1973/74 vornehmlich in den USA Erfolg hatte; seit 1974 ist Auger auch in San Francisco ansässig. Mit dem Album „Closer To It!“, das 1973 sowohl in den Jazz-Charts als auch in den R&B-Charts erfolgreich war und mit „Happiness is Just Around the Bend“ eine der bekanntesten Kompositionen von Brian Auger enthält, festigte sich der Gruppenstil zu einer groove-betonten Mischung aus rhythmischen Elementen des Funk und den harmonischen Skalen des Jazz. Auch das folgende Album „Straight Ahead“ fand erneut den Weg in die Jazz- und R&B-Charts. Parallel dazu war Auger auch an Konzerttourneen von Klaus Doldingers Passport beteiligt und trat mit Künstlern wie Alexis Korner und Pete York auf. Mit Oblivion Express war er zudem im Vorprogramm sowohl von Rockbands wie Led Zeppelin als auch im Jazz-Kontext, etwa als Support für Herbie Hancock’s Headhunters zu hören. 1977 kam es für das Album „Encore“ zu einer neuerlichen Zusammenarbeit von Brian Auger mit der Sängerin Julie Driscoll, die zwischenzeitlich geheiratet und den Namen Tippetts angenommen hatte. Hierzu schrieb die Washington Post: „Dieses Album ist ein unentbehrlicher Bestandteil einer jeden Jazz-Fusion-Bibliothek“. 1985 beteiligte er sich an einer Neuauflage der Spencer Davis Group. Im gleichen Jahr erschien das Album „Steaming“, das Auger in Freiburg mit Colin Hodgkinson und Pete York aufgenommen hatte. 1989 war er als musikalischer Leiter, Arrangeur und Komponist für die dritte Staffel der Fernsehserie ’Superdrumming’ tätig. Ab 1990 ging Auger mit Eric Burdon auf Tour. Seit 1996 tritt Auger mit seinen Kindern wieder als Oblivion Express auf: seine Tochter Savannah Auger übernimmt als Sängerin die Parts von Julie Driscoll, sein Sohn Karma Auger brilliert am Schlagzeug. Die neu gegründete Band hat inzwischen mehrere Alben veröffentlicht, zuletzt – von der internationalen Kritik hoch gelobt – „Looking in the Eye of the World“ und ist mehrfach in den USA und Europa getourt. Im November 2007 wurde Brian Auger vom Direktor des Temecula International Jazz Festivals eine Auszeichnung für sein Lebenswerk verliehen. Als Innovator der Orgel im Jazz-Rock-Kontext – insbesondere durch seinen Gebrauch der Hammond B3 – wurde Brian Auger auch zu einem der Vorläufer des Acid-Jazz-Sounds. Zum Auftakt der Deutschland-Tour gastiert Brian Auger’s Oblivion Express bei den BW-Bank jazzopen.
Besetzung:
Brian Auger (Hammond-Orgel B3)
Savannah Auger (Gesang)
Andreas Geck (Bass)
Karma Auger (Schlagzeug)