
Freitag, 17. Juli 2009
JOHN SCOFIELD PIETY STREET
Open-Air-Bühne am Mercedes-Benz Museum
Neben Pat Metheny und Bill Frisell, der ebenfalls im Programm der diesjährigen BW-Bank jazzopen vertreten ist, gehört John Scofield zu den prominentesten Jazz-Gitarristen unserer Zeit. Als Student am berühmten Berklee College of Music in Boston zählten Mick Goodrick und Gary Burton zu seinen Lehrern. Erste Aufmerksamkeit in der Jazz-Szene konnte Scofield erregen, als Goodrick ihn als Ersatzmann für ein Konzert mit Gerry Mulligan und Chet Baker in der Carnegie Hall vermittelte. Als Mitglied der gemeinsamen Band von Billy Cobham und George Duke wurde er mit seinem flüssigen und dennoch griffigen Gitarrenspiel nicht nur rasch auch größeren Publikumsschichten ein Begriff, sondern auch ein geschätzter und viel beschäftigter Kollege in der Jazz-Szene: in der Folge arbeitete er mit Größen wie Charles Mingus, Herbie Hancock, Chick Corea, Joe Henderson, McCoy Tyner, Charlie Haden, Brad Mehldau, Ron Carter, Bennie Wallace und Jim Hall zusammen. Mit seinem ersten Album unter eigenem Namen („East Meets West“) etablierte sich Scofield 1977 sofort als einer der innovativsten Gitarristen und ideenreichsten Komponisten seiner Zeit. Seitdem hat er 28 Solo-Alben veröffentlicht, auf denen zwar eine ungeheure Bandbreite verschiedener Stile festzustellen ist, aber auch eine markante Handschrift, die jedem Idiom der unterschiedlichen musikalischen Sprachen gerecht wird: ob Bebop, Swing, Fusion, Funk, Soul-Jazz oder Rhythm’n’Blues – stets war es der spezielle Scofield-Touch, der die Musik prägte. Insbesondere durch die intensiven Auftritte seines Trios mit Steve Swallow und Adam Nussbaum gelang ihm schließlich der Durchbruch. 1982 wurde er von Miles Davis für dessen damalige Band rekrutiert: dreieinhalb Jahre währte die Zusammenarbeit, in dieser Zeit war Scofield bei zahlreichen legendären Auftritten und auf drei Alben mit Davis zu hören. Anschließend an sein Engagement bei Davis arbeitete der Gitarrist mit dem P-Funk-Drummer Dennis Chambers zusammen, eindrucksvoll dokumentiert auf Alben wie „Blue Matter“ und „Loud Jazz“. Im Rahmen von Marc Johnson’s Bass Desires nahm er zusammen mit Bill Frisell 1985 bzw. 1987 die Alben „Bass Desires“ und „Second Sight“ für ECM auf – ersteres wurde im Herbst 2008 in der ’Touchstones’-Reihe von ECM wiederveröffentlicht, was den epochalen Stellenwert des Albums markiert. 1989 unterschrieb Scofield einen Plattenvertrieb bei Blue Note Records und machte sich daran, „more ’swinging’ avenues" zu erforschen. Zusammen mit einem Freund aus den Zeiten an der Berklee School, dem Saxophonisten Joe Lovano, gründete er eine meist als Quartett oder Quintett agierende Band, die zu den exponiertesten Vertretern des Funk-Jazz zählt und zwischen 1990 und 1996 die Alben „Time on My Hands“, „Meant to Be“, „Grace Under Pressure“, „What We Do“, und „Groove Elation“ veröffentlichte. Für seinen letzten Blue-Note-Release „Hand Jive“ konnte er Eddie Harris verpflichten, der stets ein großes Vorbild für Scofield gewesen ist. Anschließend wechselte er zur Plattenfirma Verve, wo er sich hauptsächlich dem Soul-Jazz-Sound widmete. In diesen Zeitraum fallen auch die Aufnahmen zu einem gemeinsamen Album mit Pat Metheny, das 1994 unter dem Titel „I Can See Your House From Here“ erschien. Als Scofield „Shack Man“ von Medeski, Martin & Wood mit ihren „swampy grooves" und Freejazz-Elementen hörte, wollte er sofort mit ihnen zusammen arbeiten. Das Resultat mit den Musikern aus dem Umfeld von John Luries Lounge Lizards erschien 1998 als „A Go Go“ und trug ihm nicht nur erneut viele positive Kritiken ein, sondern war auch einer seiner bisher größten kommerziellen Erfolge. Nachdem Scofield 2005 mit „That’s What I Say“ eine Hommage an Ray Charles und 2006 mit „Out Louder“ ein weiteres Album mit Medeski, Martin & Wood veröffentlicht hat, kehrt er nun mit seinem neuen Projekt Piety Street zu seinen Wurzeln zurück: „Als ich anfing, Gitarre zu spielen, war ich viel von Blues und davon abgeleiteten Musikstilen umgeben…Den Bluesgitarristen gilt bis heute meine große Liebe. Außerdem sind Blues und Jazz ja auch direkt miteinander verwandt.“ Dafür hat er eigens eine erstklassige Band zusammengestellt, die mit George Porter Jr. am Bass, dessen Name als Gründungsmitglied der Band The Meters untrennbar mit der Musik von New Orleans verbunden ist und der außerdem bereits mit Größen wie Dr. John, Patti LaBelle, Tori Amos oder Allen Toussaint gearbeitet hat, dem Keyboarder Jon Cleary, der als Sideman von Bonnie Raitt und durch Auftritte mit B.B. King und Taj Mahal bekannt ist, sowie dem südafrikanischen Drummer Ricky Fataar, der unter anderem bereits in den 70er Jahren als Schlagzeuger der Beach Boys für Furore gesorgt hat, hervorragend besetzt ist. „Ich wollte schon seit Ewigkeiten ein Blues-Projekt durchziehen", verrät Scofield. „Das ist die Musik, mit der für mich als Gitarrist alles begann, und gerade in den letzten Jahren fühle ich mich wieder sehr stark zum Blues hingezogen. Da ich mich aber nicht auf den zwölftaktigen Standard-Blues beschränken wollte, schaute ich mich nach anderen Inspirationsquellen um: und die fand ich bei der ‘guten alten' Gospel-Musik – die ist der nächste Verwandte und unmittelbare Vorläufer des Rhythm'n'Blues, den wir alle lieben. Ich habe Gospel eigentlich schon immer geschätzt, aber mich nie zuvor wirklich mit dieser Musik auseinandergesetzt. Als ich es nun endlich tat, stieß ich auf unzählige Stücke, die mich wirklich berührten. Das ist ganz schön bewegendes Zeug! Natürlich interpretiere ich die Songs hier auf meine ureigene Weise - sämtliche Arrangements habe ich selbst geschrieben." Ende März 2009 wird „Piety Street“ auf Emarcy/Universal erscheinen; der Name des Albums ist eine Anspielung auf die legendären Piety Studios in New Orleans und die goldenen Zeit des Genres, in der die stilprägenden Alben von Thomas A. Dorsey und Mahalia Jackson aufgenommen wurden. Mit seiner neuen Band Piety Street gastiert John Scofield nun erstmals in Stuttgart und wird anlässlich der BW-Bank jazzopen die Songs seines aktuellen Albums vorstellen.
Besetzung:
John Scofield (guitar)
Jon Cleary (Hammond B3, vocal)
Donald Ramsey (bass)
Ricky Fataar (drums)