
Freitag, 17. Juli 2009
LEE RITENOUR & Friends
Open-Air-Bühne am Mercedes-Benz Museum
Er ist der Meister des kalifonischen Sunshine-Sounds: Obwohl nahezu jeder die Gitarrenlicks von Lee Ritenour schon einmal gehört, dieses flüssig-golden schimmernde Klangfarbenspiel seiner Tonbildung bestaunt hat, kennen doch nur die wenigsten seinen Namen. Der US-amerikanische Jazz-Gitarrist, Komponist und Produzent ist ein gleichermaßen virtuoser wie fleißiger Studio-Gitarrist, der an über 3.000 Sessions beteiligt war und auf so epochalen Alben wie „The Wall“ von Pink Floyd, „Aja“ von Steely Dan, „So Exited“ für die Pointer Sisters und „Guilty“ von Barbra Streisand zu hören ist. 1952 in Los Angeles geboren und aufgewachsen, erhält er als Sohn eines Musikers bereits als Sechsjähriger Gitarrenunterricht von erstklassigen Lehrern. Seine Ausbildung ist äußerst breit gefächert – neben der klassischen Gitarrenliteratur sind auch Pop-Größen von maßgebendem Einfluss für Ritenours früh entwickelte persönliche Handschrift: „Wes Montgomery ist die Nummer eins. Ich habe mich aber auch viel mit George Benson, B.B. King, John McLaughlin und Joe Pass befasst“. Darüber hinaus begeistert er sich aber auch für Jimi Hendrix, Eric Clapton und Jeff Beck. Bereits als 16-Jähriger ist er professioneller Musiker und für Sessions mit The Mamas & The Papas gebucht, zwei Jahre später begleitet er Tony Bennett und Lena Horne. Einer Welttournee als Mitglied der Liveband von Sérgio Mendes im Jahr 1974 folgt eine beispiellose Studio-Karriere mit Verpflichtungen zu Aufnahmen von Jazz-Giganten wie Dizzy Gillespie, Herbie Hancock oder dem ebenfalls anlässlich der BW-Bank jazzopen 2009 in Stuttgart gastierenden Sonny Rollins. Weltstars wie Aretha Franklin, Frank Sinatra, B.B. King, Ray Charles, Simon & Garfunkel, Cher oder Diana Ross veredeln ihre Alben mit dem Können des jungen Ausnahmetalentes. In dieser Zeit ist Ritenour oft für bis zu 20 Aufnahme-Sessions pro Woche engagiert. Ab Mitte der 70er Jahre beginnt er, auch eine Solokarriere zu verfolgen: 1976 erscheint sein Debütalbum „First Course“. Mit dem Titel des Nachfolger-Albums hat er das Stichwort zu seinem Beinamen ’Captain Fingers’ selbst gegeben. 1977 und 1978 wird Ritenour vom US-Magazin Guitar Player zum „besten Studiogitarristen“ gewählt. Seitdem hat er mehr als 40 Alben, die Gäste wie Phil Collins, Caetano Veloso, Chaka Khan und Herbie Hancock aufzuweisen hatten und vor allem in Nordamerika teilweise sehr erfolgreich waren, und 35 Chart-Hits, darunter den Top-15-Hit „Is It You“ von 1981, der zusammen mit seinem Song „Mr. Briefcase“ zum Erstsendungs-Programm von MTV gehört hat und mittlerweile ein Klassiker unter den zeitgenössischen Jazz-Radio-Hits geworden ist, unter eigenem Namen veröffentlicht. In den 90er Jahren ist er Gründungsmitglied von Fourplay, der erfolgreichsten Formation des zeitgenössischen Jazz. Dies alles hat ihm mittlerweile 17 ’Grammy’-Nominierungen eingetragen, aktuell wieder für sein Album „Amparo“ mit David Grusin von 2008. Für das 1985 ebenfalls mit Grusin produzierte Album „Harlequin“ durfte er die begehrte Auszeichnung bereits einmal entgegennehmen. Auch auf seinem aktuellen Solo-Album, „Smoke ’n’ Mirrors“ von 2006, spielt er das gesamte Spektrum seiner stilistischen Vielseitigkeit aus, „denn Fusion bedeutet für mich, das Beste verschiedener Welten zu vereinen“. Und Ritenour ist ein mustergültiger Fusion-Musiker, der im Rock genauso zuhause ist wie im Jazz, Rhythm’n’Blues, Pop, Funk oder Latin, ein Meister auf der klassischen akustischen wie auf der elektro-akustischen Gitarre. „Lee Ritenour kann einfach alles. Ich hörte ihn auf der klassischen Gitarre – es war fantastisch. Dann spielte er Rock, anschließend Funk und es war genauso perfekt“, wird George Benson über seinen Kollegen zitiert. Ritenours Markenzeichen ist seine heitere und luzide Tonbildung, die ihn unverwechselbar macht. Der Gitarren-Virtuose kommt mit einer fantastisch besetzten Band nach Stuttgart: neben der sagenhaften Patrice Rushen sind der Drummer Will Kennedy, der nahezu für eine Dekade Mitglied der famosen Yellowjackets war, sowie Melvin Davis am Bass, den Buddy Miles mit 16 entdeckt und für seine Band engagiert hat und der in der Folge mit Künstlern wie Chaka Khan, Bryan Ferry und Patti Austin getourt ist und aufgenommen hat, mit von der Partie. Patrice Rushen gilt als eine der besten Jazz-Pianistinnen und hat nicht nur mit Stevie Wonder, Herbie Hancock, Prince, Carlos Santana, George Benson, Tom Jones, Michael Jackson, Dianne Reeves und Joshua Redman gearbeitet und ist bereits seit langen Jahren mit Lee Ritenour bekannt, sondern hat mit „Forget Me Nots“, ihrem Top-Ten-R&B-Hit von 1982, einen ’Grammy’-dekorierten und noch heute oft gesampleten Meilenstein der Disco-Kultur geschrieben – am geläufigsten ist „Forget Me Nots“ vermutlich als tragender Bestandteil und Blaupause von „Man In Black“, 1997 von Will Smith für den gleichnamigen Film produziert. Lee Ritenour & Friends verbinden akustischen Jazz, Funk, Fusion und Weltmusik zu einer aufregenden, energetischen Performance voller Virtuosität. Diese Weltreise umfasst auch Titel aus Alben wie „Smoke ’n’ Mirrors“, „Wes Bound“, „Stolen Moments“ und „Twist of Jobim“.
Besetzung:
Lee Ritenour (guitars)
Patrice Rushen (piano/keys)
Will Kennedy (drums)
Melvin Davis (bass)