The Crusaders & Nils Landgren Funk Unit
Zu einem außergewöhnlichen Konzert kommt es am Freitag, 18. Juli 2008, auf dem Pariser Platz. Bei ihrem einzigen Festivalauftritt 2008 in Süddeutschland tritt die legendäre US-amerikanische Fusion-Jazz-Band THE CRUSADERS gemeinsam mit NILS LANDGRENS FUNK UNIT auf, einer der bekanntesten Formationen im gegenwärtigen europäischen Jazz - das bedeutet: JOE SAMPLE und NILS LANDGREN zusammen auf einer Bühne! Dass sich JOE SAMPLE, als Pianist und Komponist die kreative Konstante der CRUSADERS, und NILS LANDGREN seit mehr als 20 Jahren kennen, verdankt sich dem Zufall: Landgren geriet in Los Angeles in eine Aufnahmesession der CRUSADERS und trat im folgenden Jahr mit JOE SAMPLE sowie der Sängerin Randy Crawford auf, für die der Vocal-Part von "Street Life", dem Welthit der CRUSADERS von 1979, der Beginn einer großen Karriere war. Ein weiteres Produkt der schwedisch-amerikanischen Freundschaft zwischen Landgren und SAMPLE war das dem Sound von New Orleans verschriebene Album "Creole Love Call" von 2005, dessen Songs auch einen wohldosierten, aber zentral platzierten Raum im Set dieses Abends einnehmen werden. Ray Parker Jr., der dort als Gitarrist zu hören war, als Komponist des Kino- & Chartserfolgs "Ghostbusters" weltbekannt ist und bereits mit Musikern wie Barry White oder Stevie Wonder und Bands wie The Temptations oder Rufus zusammengearbeitet hat, wird als mittlerweile festes Mitglied der FUNK UNIT auch zugegen sein. Ähnlich wie die ebenfalls bei den diesjährigen jazzopen zu hörenden Chicago, die die Musik der CRUSADERS als ihren wichtigsten Einfluss bezeichnet haben, gehört die Westcoast-Band zu den übersehenen Größen in den Anthologien der Rockgeschichtsschreibung, von der Kritik unterbewertet bis zum heutigen Tag. Dabei handelt es sich bei THE CRUSADERS, zumindest wenn man ihre Vorläuferformationen The Swingsters, The Modern Jazz Sextet, The Nite Hawks und schließlich The Jazz CRUSADERS mit einbezieht, vermutlich um die erste Jazz-Rock-Band überhaupt, sicher jedoch um diejenige, die am längsten Bestand hat. Die Ursprünge der CRUSADERS liegen im Houston, Texas, der frühen 50er Jahre. An der dortigen Highschool scharte der junge Pianist JOE SAMPLE einige Gleichgesinnte um sich, darunter mit dem Tenorsaxophonisten Wilton Lewis Felder, dem Posaunisten Wayne Maurice Henderson und dem Drummer Nesbert "Stix" Hooper bereits drei Gründungsmitglieder der CRUSADERS, um unter dem Namen The Swingsters, später als The Modern Jazz Sextet, eine Stil-Symbiose aus Jazz und R&B in Angriff zu nehmen, die 15 Jahre später als Neuheit ein Massenpublikum begeisterte. Ihre Mischung aus Hard Bop-, Blues-, R&B- und Soul-Elementen mit Gospel-Obertönen war von Beginn an originär, neu und tanzbar, rasch hatten sie den Ruf einer echten Live-Attraktion, und nach einem Umzug nach Los Angeles als The Jazz CRUSADERS auch einen Plattenvertrag mit Pacific Jazz Records, wo ihr Debütalbum 1961 erschien. An der großen Popularität der Jazz CRUSADERS hat auch das ungewöhnliche Line-up der Band einen maßgeblichen Anteil: die Frontline mit Tenorsaxophon und Posaune wurde zu ihrem Markenzeichen. Nach 17 Alben für Pacific Jazz erfolgte 1971 die Neuorientierung: THE CRUSADERS sollte fürderhin zur Kennzeichnung ihres Stilprofils ausreichen. Tatsächlich zählen die 70 Jahre zu den erfolgreichsten Dekaden der Band: Die Singles der CRUSADERS fanden sich regelmäßig als Top-40-Hits in den R&B-Charts wieder, Songs wie "Put It Where You Want It", "Don't Let It Get You Down" oder "Keep That Same Old Feeling" prägen den Sound dieser Epoche - und natürlich "Street Life", das 1979 veröffentlicht den größten Erfolg der CRUSADERS markiert, aber auch bereits fast schon das vorübergehende Ende der langen Karriere einläutet: Mitte der 80er wird es still um die Band. Nach mehr als 20 Jahren kommt es 2003 zu einem unerwarteten Lebenszeichen: mit "Rural Renewal" erscheint ein neues Studioalbum der CRUSADERS - die Groove-Jazz-Pioniere sind wieder da.

